Gab es diesen einen Moment, in dem mir klar wurde: Ich werde Fotografin?
Ehrlich gesagt: Nein.
Zumindest nicht bewusst. Und schon gar nicht als Karriereziel.
Der erste Impuls kam von meinem Vater – als ich gerade mal neun Jahre alt war. Er schenkte mir eine Kamera: eine Agfa Optima Sensor Electronic. Für viele heute nur ein hübsches Vintage-Stück, für mich damals der Einstieg in etwas, das ich noch gar nicht begreifen konnte.
Die Agfa war robust, kompakt und dank ihrer automatischen Belichtungsmessung für ein Kind erstaunlich einfach zu bedienen. Kein Zoom, kein Display, keine Spielereien – nur ein klarer Sucher, ein roter Auslöser und die Konzentration auf den Moment. Diese Kamera hat mich überallhin begleitet: in den Urlaub, auf Familienfeiern, in den Alltag. Ich habe fotografiert, was um mich herum geschah – ohne Plan, ohne Ziel. Rückblickend war es fast wie eine kleine Reportage meines eigenen Lebens. Unbewusst, aber konstant.
Doch dann – wie so oft – kam das Leben dazwischen. Die Kamera verschwand in einer Schublade, das Interesse schlief ein, und ich stellte mir nie die Frage, ob ich Fotografin werden wollte.
Der Umweg, der keiner war
Es hat Jahre gedauert, bis die Fotografie wieder eine Rolle spielte. In dieser Zeit habe ich viele Richtungen ausprobiert – und dabei vor allem gelernt, was ich nicht wollte. Und genau da, wo viele den Mut verlieren, hat sich bei mir etwas anderes gezeigt: Intuition.
Ohne Businessplan, ohne strategische Entscheidung, kam plötzlich die Idee, eine Ausbildung zur Fotografin zu machen. Nicht, weil ich es „schon immer wollte“, sondern weil es sich einfach richtig angefühlt hat.
Ich habe meine Ausbildung in einem Portraitstudio in der Nähe von Oldenburg gemacht – klassisch, mit viel Praxis, intensiven Kundenkontakten und echtem Handwerk.
Damals steckte die Digitalfotografie noch in den Kinderschuhen. Nur einige wenige Werbefotograf:innen arbeiteten mit digitalen Kameras – und das auch nur bei besonders aufwendigen Produktionen. In meinem Alltag spielte das keine Rolle. Ich habe das Fotografieren von Grund auf analog gelernt: Licht messen, Licht setzen, manuell belichten, sauber arbeiten, präzise sehen. All das hat mein fotografisches Fundament geprägt – und beeinflusst meine Arbeit bis heute.
Heute: Fotografin aus Überzeugung
Heute, viele Jahre später, bin ich selbstständig mit eigenem Studio im Frankenberger Viertel in Aachen. Und auch wenn es kein gradliniger Weg war – ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen.
Was mich immer wieder begeistert, ist die Nähe zu den Menschen. Die Kamera ist für mich kein Werkzeug zur Inszenierung, sondern ein Mittel, um Persönlichkeit sichtbar zu machen. Und genau das war wohl schon damals so – mit neun Jahren, der kleinen Agfa in der Hand und einem neugierigen Blick auf die Welt.
Ob das Schicksal war? Vielleicht.
Oder mein Vater hatte einfach ein verdammt gutes Gespür.





